Geschichte des Muay Thai

Eine Geschichte des Muay Thai

Die Geschichte des Muay Thai beginnt in der Heimat dieses Sports, Thailand. Der Ringsport entwickelte sich aus den Kampfkünsten Südostasiens. Mit dem Wachstum der Länder nahm auch der Einsatz von Fäusten, Ellbogen, Knien und Tritten zu.

Muay-Thai-Tag

Die Geschichte des Muay Thai 

Der Legende nach gehörte der berühmte Nai Khanom Tom zu den Wegbereitern des Muay Thai. Als Soldat von Siam wurde er 1774 von den Burmesen als Geisel genommen. Das Nachbarland plünderte Ayutthaya und nahm dabei Nai Khanom Tom und andere gefangen. Der König von Burma wollte die Kampffähigkeiten seiner Landsleute auf die Probe stellen. Er ließ sie gegen den siamesischen Soldaten antreten. Dieser besiegte neun der Burmesen und schaltete sie mit den typischen Waffen des Muay Thai aus. Der König gewährte Nai Khanom Tom und seinen Kameraden die Freiheit. Und so begann sich dieser Sport zu verbreiten.

Im Jahr 1868, während der Regierungszeit von Rama V., entwickelte sich diese Kunstform zu einer Sportart. Der König von Thailand veranstaltete regelmäßig Boxkämpfe. Diese Veranstaltungen gehörten zu den ersten Muay-Thai-Kämpfen überhaupt. 

Mit dem Segen des Königs gewannen Muay-Thai-Kämpfe zunehmend an Beliebtheit. Während der Regierungszeit von König Rama VI. wurde der Sport noch besser organisiert. Die Boxer trugen nun Schutz für den Unterleib. Fitnessstudios und Trainingslager wurden standardisiert. Im Jahr 1921 wurde das erste Muay-Thai-Stadion errichtet. 

Muay-Thai-Statuen am Muay-Thai-Tag

Errichtete Stadien

Im Jahr 1941 begann der Bau des Rajadamnern-Stadions. Die Arena ist die älteste in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Als das Rajadamnern 1945 seine Pforten öffnete, hatte sich Muay Thai bereits vollständig zu einer Ringsportart entwickelt. Die Sportler trugen keine „Khaad Cheuk“ (Seile) mehr um ihre Fäuste, sondern Boxhandschuhe nach westlichem Vorbild. Die Boxer wurden in Gewichtsklassen eingeteilt, und es galten die Regeln des Ringsports. 

Die thailändische Armee errichtete das Lumpinee-Stadion im Jahr 1956, ein Jahrzehnt nach dem Rajadamnern-Stadion. Die beiden Stadien waren maßgeblich für den Boom des Muay Thai in den 1980er- und 1990er-Jahren verantwortlich.

Die goldene Ära

Zu dieser Zeit erlebte die thailändische Wirtschaft einen enormen Aufschwung. Das Wirtschaftswachstum übertraf in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren das aller anderen Länder weltweit. Das Bruttosozialprodukt vervierfachte sich zwischen 1970 und 1990.

Dies führte zu einem massiven Zustrom der Landbevölkerung nach Bangkok. In der Folge strömten noch mehr Fans in die Arenen von Rajdamnern und Lumpinee, um sich die Kämpfe anzusehen.

Muay Thai erlebte eine Blütezeit, die mit dem wirtschaftlichen Aufschwung einherging. Die Athleten erhielten nun hohe Gagen. Kämpfer wie Samart Payakaroon, der vor allem zwischen 1980 und 1988 aktiv war, verdienten 350.000 Baht pro Kampf. Frühere Spitzenkämpfer wie Apidet Sithirun, der zwischen 1961 und 1970 aktiv war, erhielten hingegen nur 85.000 Baht pro Kampf.

Auch andere Kämpfer wie Sangteinnoi Sor Runroj, Karuhart Sor Supawan, Somluck Kamsing und Dieselnoi Chor Thanasukarn verdienten hohe Preisgelder.

In den Stadien herrschte ausgelassene Stimmung, die Wirtschaft lief gut und die Veranstaltungen im Lumpinee und im Rajadamnern waren ausverkauft. 

Dann begann die Wirtschaft zu schwächeln. Thailand geriet in eine wirtschaftliche Rezession, unter der viele Kämpfer der späten „Goldenen Ära“, wie beispielsweise Jongsanan Fairtex, finanzielle Einbußen hinnehmen mussten. „The Woodenman“ verdiente auf dem Höhepunkt seiner Karriere zwischen 1991 und 1995 120.000 Baht pro Kampf. 

Der wirtschaftliche Einbruch und ein größeres Unterhaltungsangebot führten dazu, dass die Hauptzielgruppe dem Stadion den Rücken kehrte. Die Wettfreunde, die einen großen Teil des Sports ausmachten, blieben. Die Kämpfe richteten sich nun an das verbliebene Publikum. Der Sport erlangte einen Ruf, der stärker mit der Arbeiterklasse verbunden war.

Muay Thai International

Während Muay Thai in Thailand an Schwung verlor, erlebte es auf der internationalen Bühne einen regelrechten Boom. 

Frühe ausländische Kämpfer wie Ramon Dekkers und John Wayne Parr ebneten den Weg für die Verbreitung des Muay Thai im Ausland. Dekkers trat 1990 in Amsterdam gegen den Lumpinee-Champion Namphon Nongkeepahuyuth an. Dekkers, der für seinen temporeichen und schlagkräftigen Kampfstil bekannt war, reiste nach Thailand, um dort gegen thailändische Champions wie Coban Lookchaomaesaitong anzutreten. 

Einige Jahre später trat John Wayne Parr im Land des Lächelns auf. Er trainierte mit Sangtiennoi, einer Legende der goldenen Ära, und wurde 1997 zum besten Farang-Kämpfer des Jahres gewählt. Er trat anlässlich des Geburtstags des Königs auf und kämpfte ebenso wie Dekkers im Lumpinee-Stadion.

Ausländische Sportler sorgten für mehr Aufmerksamkeit für Thailand. Das Heimatland hatte bis zu Buakaw Banchamek (ehemals Por. Pramuk) noch keinen internationalen Superstar hervorgebracht. Der Champion des Omnoi-Stadions wurde K-1-Kickbox-Champion. Bei seinem Debüt besiegte er John Wayne Parr, Takayui Kohiruimaki und den japanischen Publikumsliebling Masato Kobayashi. Die Kickbox-Veranstaltung 2004 wurde in Japan veranstaltet und fand weltweite Beachtung.

Die Aufmerksamkeit richtete sich auf Thailand, und 2004 startete die Serie „The Contender Asia“. In der Reality-Show traten die Muay-Thai-Kämpfer John Wayne Parr, Yodsanklai Fairtex, Bruce Macfie und Dhzabar Askerov auf. Die Kämpfer traten in wöchentlichen Wettbewerben und Kämpfen gegeneinander an. Im Finale trat Yodsanklai Fairtex gegen John Wayne Parr an. Der Rechtshänder besiegte den Australier nach Punkten. In Verbindung mit dem Aufkommen des Internets begann sich Muay Thai zu mehr als nur einer Nischensportart zu entwickeln.

In Thailand gehörten Athleten wie Petchboonchu von der FA Group und Saenchai von PK Saenchai Muay Thai fest zum Repertoire der Stadion-Szene. Immer mehr thailändische Kämpfer erhielten internationale Chancen. Rungravee Sasiprapra, Sagatdao Petchpatayai und andere reisten für Kämpfe ins Ausland. Beide traten in den USA bei Veranstaltungen in Los Angeles an.

Ehemalige Thai-Boxer begannen, sich im Ausland niederzulassen. Kämpfer wie Jongsanan Fairtex trainierten Ausländer in ihrer Heimat. Dadurch entstand eine stärkere Verbindung zwischen den Ländern im Ausland und Thailand. 

Immer mehr Ausländer reisten nach Thailand und blieben dort für längere Zeit. Liam Harrison, Damien Alamaos, Toby Smith und George Mann bauten sich in Thailand eine erfolgreiche Karriere auf. Bei ihrer Rückkehr brachten sie einen enormen Erfahrungsschatz und ein umfangreiches Netzwerk mit.

Die Moderne und Muay Thai als Unterhaltungssport

Muay-Thai-Tag 2023

Als der Sport international an Beliebtheit gewann, entstanden neue Unterhaltungsshows. Anstelle der traditionellen Kämpfe über fünf Runden gingen diese Kämpfe nur über drei Runden. Die Athleten begannen bereits beim ersten Gong zu kämpfen. 

„Max Muay Thai“ schuf einen Präzedenzfall für diese Shows. Die Kämpfe fanden wöchentlich in einem Stadion in Pattaya, Thailand, statt und legten den Schwerpunkt auf Action. Leistungsprämien wurden an Boxer vergeben, die eine gute Leistung zeigten – unabhängig davon, ob sie gewannen oder verloren. Der neue Showstil brachte moderne Beleuchtung, Soundeffekte und LED-Soundsysteme mit sich. „Max“ schuf ein wöchentliches Format, bei dem Ausländer gegen Thailänder antraten. 

Andere Sendungen wie „Muay Hardcore“, „MX“ und „Superchamp“ folgten diesem Beispiel. Es wurden Änderungen am Format vorgenommen, um sich von „Max“ abzugrenzen. Die Kämpfer trugen kleinere Handschuhe im MMA-Stil (bei „Muay Hardcore“ und „MX“), und es nahmen auch Kämpferinnen teil.

Früher traten Sportlerinnen hauptsächlich bei kleineren Veranstaltungen auf dem Land auf. Es gab zwar gelegentlich im Fernsehen übertragene Kämpfe, doch geringe Preisgelder, fehlende Karriereperspektiven und wenige Möglichkeiten zwangen die meisten Kämpferinnen zu einem vorzeitigen Karriereende. Die neuen Unterhaltungsshows haben dem Frauen-Muay-Thai neuen Auftrieb gegeben. Dies geht einher mit einem allgemeinen Trend zur Fitness bei Frauen. 

Der Zugang zum Internet hat den Sporttourismus eröffnet. Muay-Thai-Studios wie Tiger Muay Thai und Fairtex wurden eröffnet, um Sportlern Sporturlaube zu ermöglichen. Ausländer kamen in Scharen nach Thailand, um den Sport, die Kultur und den Kampf zu genießen. 

Weitere Möglichkeiten haben sowohl die Frauen als auch den Sport vorangebracht. Große Verbände wie die IFMA (International Federation of Muay Thai Associations) fördern Muay Thai durch regelmäßige Amateurwettkämpfe, die weltweit stattfinden. Konkret strebt die IFMA an, die „Kunst der acht Gliedmaßen“ in das olympische Programm aufzunehmen.

Auch der World Boxing Council of Muay Thai, eine 2004 gegründete gemeinnützige Organisation, strebt weiteres Wachstum an. Der Verband fungiert als Qualitätskontrollinstanz für Titelkämpfe. Noch in diesem Jahr richtet er seine ersten Jugendspiele aus. Zur Förderung des Sporttourismus hat er sich mit der thailändischen Tourismusbehörde zusammengeschlossen. 

Muay Thai erlebt seit einigen Jahren einen regelrechten Boom, was vor allem auf den Aufstieg von Organisationen wie ONE Championship zurückzuführen ist. Muay-Thai-Champions verdienen viel Geld und genießen ein entsprechend großes Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit. 

Derzeit werden in Thailand vier Tage pro Woche Fernsehsendungen ausgestrahlt. Kleinere Sendungen laufen sehr regelmäßig. Auch in anderen Ländern weltweit finden regelmäßig Wettbewerbe statt.

Die Kampfkunst hat sich seit ihren bescheidenen Anfängen enorm weiterentwickelt und ist auf dem besten Weg, in Zukunft eine der führenden Sportarten zu werden.