Kalaripayattu: Die alte indische Kampfkunst
Kalaripayattu ist eine der ältesten Kampfkünste der Welt und stammt aus Indien. Es handelt sich wohl um die älteste noch heute weit verbreitete Kampfkunst der Welt.
Hier finden Sie einen Überblick über die alte indische Kampfkunst Kalaripayattu. Wir stellen Ihnen alle Details zu dieser Kampfkunst vor, einschließlich ihrer Geschichte und der Legende über ihre Entstehung.
Was ist Kalaripayattu?
Kalaripayattu, auch als „Kalari“ bekannt, ist eine indische Kampfkunst, die im indischen Bundesstaat Kerala entstanden ist. Sie zählt zu den ältesten Kampfkünsten der Welt und blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins Jahr 300 v. Chr. reicht.
Das Wort „Kalaripayattu“ setzt sich aus den Begriffen „Kalari“ und „Payattu“ zusammen. „Kalari“ bedeutet „Trainingsplatz oder Schlachtfeld“, während „Payattu“ grob übersetzt „das Training der Kampfkünste“ bedeutet.
Es handelt sich um eine der ältesten hybriden Kampfkünste, die aus verschiedenen Hand- und Waffentechniken besteht. Eine Kampfkunst, die im Hinduismus und im Spiritualismus verwurzelt ist und sich über die Jahrhunderte bewährt hat.
Die Legende von Kalaripayattu
Bevor wir uns mit der historischen Entwicklung und den Ursprüngen befassen, wollen wir zunächst über die Legende sprechen. Die Kampfkunst soll von der hinduistischen Gottheit Shiva entwickelt worden sein,
Er brachte diesen Kampfstil seinem sechsten Avatar, Parasurama, bei. Nachdem Parasurama das Land Kerala aus dem Meer emporgehoben hatte, lehrte er die Siedler die Kunst des Kalaripayattu.
Parasurama soll 108 Kalaris (Schulen) gegründet und 21 Kalaripayattu-Gurus (Lehrer) ausgebildet haben.
Die Geschichte des Kalaripayattu
Die frühesten Vorläufer des Kalaripayattu, die Historiker nachweisen können, lassen sich auf den Zeitraum zwischen 600 und 300 v. Chr. datieren. Diese Epoche in Indien ist als Sangam-Zeit bekannt, die für ihre furchtlosen Krieger berühmt war.
Jeder der Sangam-Soldaten erhielt eine fundierte militärische Ausbildung. Die meisten Techniken wurden im Rahmen dieser Kampfkunst vermittelt.
Ihnen wurden verschiedene Kampfarten beigebracht, sowohl mit als auch ohne Waffen. Zusätzlich zum Nahkampf lernten die Soldaten, Angriffe von Pferden und Elefanten aus durchzuführen.
Kalaripayattu im Mittelalter
Nach jahrhundertelanger Entwicklung wurde Kalaripayattu zu einem wichtigen Bestandteil der feudalen Gesellschaft in Kerala. Der Bundesstaat war dafür bekannt, die besten Krieger hervorzubringen, und jedes Dorf hatte seine eigenen Kalaris.
Junge Kalaripayattu-Schüler aus dem Dorf lebten und trainierten in diesen Kalaris. Auch andere Schüler, die ihre Schulausbildung abgeschlossen hatten, wurden im Rahmen ihrer obligatorischen militärischen Ausbildung zum Kalaripayattu-Training eingeteilt.
Diese Zeit galt als das goldene Zeitalter.
Das Verbot des Kalaripayattu
Das indische Volk litt zwei Jahrhunderte lang unter der britischen Besatzung. Von 1805 bis etwa 1920 war Kalaripayattu in Indien verboten.
Das Verbot würde viele Kalaripayattu-Gurus dazu veranlassen, die Kampfkunst fortan im Verborgenen weiterzugeben. Dazu gehörten berühmte Gurus wie Kottakkal Gurukkal, Kovilkandi Kelu Kurup Gurukkal und Maroli Ramunni Gurukkal.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts gelang es diesen Kalaripayattu-Meistern, die Kampfkunst zu bewahren. Als die britische Besatzung Indiens in den 1920er Jahren endete, konnte Kalaripayattu wieder öffentlich unterrichtet werden.
Die Erhaltung
Dank des indischen Bundesstaates Kerala und zahlreicher Kalapayattu-Praktizierender konnte diese Kampfkunst erfolgreich bewahrt werden. Die Regierung von Kerala eröffnete die Kalaripayattu-Akademie, die vom Tourismusministerium von Kerala geleitet wird.
Die Praxis des Kalaripayattu
Die Ausübung des Kalaripayattu variiert je nach Region Indiens, in der es praktiziert wird. Trotz der Unterschiede in der Lehre halten sich alle Kalaris an dieselben Regeln.
Jedes Kalari muss gemäß den hinduistischen Architekturabhandlungen, wie beispielsweise den Vastu Shastras, errichtet werden. Alle Kalaris müssen hinsichtlich der Abmessungen der Trainingsbereiche einheitlich sein und aus einem bestimmten roten Sand bestehen.
Der Standort der Schule muss an einem bestimmten Ort liegen, wobei der Eingang des Kalari nach Osten ausgerichtet sein muss. Historisch gesehen durchliefen alle Einwohner von Kerala im Alter von 7 bis 9 Jahren eine militärische Ausbildung.
Im Laufe der Zeit begannen die Gemeindemitglieder, Kampfsport als Hobby zu betreiben und Selbstverteidigung zu erlernen.
Ganz gleich, wie oder wann die Kampfkunst unterrichtet wird – die Grundsätze sind dieselben. Lerne, verschiedene Kampfstile zu beherrschen, damit du auf alles vorbereitet bist, was dir begegnen könnte.
Die Stile des Kalaripayattu
In Indien werden landesweit zwei Hauptvarianten des Kalaripayattu praktiziert. Der nördliche Stil ist als „Vadakkan Kalari“ bekannt, der südliche Stil wird als „Thekkan Kalari“ bezeichnet.
Vadakkan Kalari wird vorwiegend in der Malabar-Region von Kerala praktiziert. Es basiert auf eleganten und geschmeidigen Bewegungen sowie verschiedenen Formen des Waffentrainings.
Thekkan Kalari ist ein Kampfkunststil aus dem Süden Keralas, bei dem der Nahkampf und Angriffe auf Druckpunkte im Vordergrund stehen.
Es gibt außerdem weniger bekannte Stile des Kalaripayattu, die als „Madhya Kalari“ und „Tulundan Kalari“ bezeichnet werden.
Marmashastram & Massagen
Einer der Kernpunkte des Kalaripayattu bestand darin, den Gegner an seinen lebenswichtigen Stellen zu treffen. Durch Schläge auf diese Stellen kann man den Gegner schnell töten und den Kampf beenden.
Diese Techniken, bei denen lebenswichtige Punkte getroffen werden, werden als „Marmashastram“ bezeichnet. In den alten Schriften wurden 107 lebenswichtige Punkte im Körper aufgeführt, von denen 64 tödlich sind.
Bei der Kampfkunst Kalaripayattu geht es jedoch nicht nur um Angriffe, sondern auch um Medizin. Viele der frühen Gurus verfassten Handbücher, in denen sie die Vorteile der traditionellen Medizin und von Massagen ausführlich beschrieben.
Durch Heilung und Massage des Körpers kann sich der allgemeine Gesundheitszustand eines Menschen verbessern. Er wird beweglicher, seine Technik verbessert sich und er genießt eine höhere Lebensqualität.
Uniform und Waffen
Kalaripayattu-Schüler müssen während des Trainings in Kerala eine bestimmte Uniform tragen. Hier finden Sie die Einzelheiten zu den fünf Kleidungsstücken, die während des Trainings getragen werden müssen.
- Mundu: Ein traditionelles Wickeltuch, das einem Dhoti ähnelt, wie es Männer in Südindien tragen
- Uppada: Ein Stoffgürtel, der über dem Mundu um die Taille gebunden wird, damit dieser sich während des Trainings nicht verschiebt.
- Chatta: Das Oberteil ist in der Regel eine atmungsaktive Weste aus leichtem Material. So können sich die Praktizierenden frei und ohne Einschränkungen bewegen.
- Armbänder/Fußkettchen: Die Praktizierenden tragen Armbänder oder Fußkettchen aus Stoff oder Leder.
- Sandelholzpaste: Manche Gläubige tragen aus religiösen Gründen möglicherweise Sandelholzpaste großzügig auf.
- Keine Schuhe
- Haare: Sportler mit langen Haaren binden ihre Haare vor dem Training in der Regel zu einem Knoten oder Dutt zusammen.
Die Techniken des Kalaripayattu?
Die Techniken des Kalaripayattu lassen sich in sieben Kategorien unterteilen. Jede dieser sieben Kategorien erhielt einen eigenen Namen.
- Meippayattu (Körperliches Training)
- Kolthari (Holzwaffen)
- Angathari (Metallwaffen)
- Verumkai (Kampf mit bloßen Händen)
- Marma (Vitalpunkte)
- Chuvada (Formen oder Muster)
Meippayattu (Körperliches Training)
Dieser Teil des Trainings konzentriert sich auf die Verbesserung der körperlichen Fähigkeiten der Schüler. Dabei werden sie umfangreichen Trainingsprogrammen unterzogen, um ihre Kraft, Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Ausdauer zu verbessern.
Kolthari (Holzwaffen)
Dieser Teil der Kampfkunst konzentriert sich auf das Training mit Holzwaffen. In dieser Trainingsphase lernen die Schüler den Umgang mit Stäben, Stöcken und Holzschwertern.
Angathari (Metallwaffen)
Sobald die Schüler den Umgang mit Holzwaffen beherrschen, können sie damit beginnen, den Umgang mit Metallwaffen zu erlernen. Dabei lernen sie, wie man Schwerter und Dolche einsetzt und wie man mit deren Gewicht umgeht.
Verumkai (Kampf mit bloßen Händen)
Verumika bezeichnet die Nahkampftechniken, die im Kalaripayattu vermittelt werden. In diesem Teil des Trainings lernen die Schüler alles von Schlagtechniken bis hin zu Grappling-Techniken.
Marma (Vitalpunkte)
Marma ist die Praxis, die zuvor erwähnten 107 Vitalpunkte anzugreifen.
Chuvada (Formen oder Muster)
Um die Bewegungen im Umgang mit den Waffen zu erlernen, üben die Schüler anschließend „Chuvadas“, also Formen oder Abläufe. Diese Chuvadas vermitteln ihnen, wie sie sich im Kampf mit ihren Waffen bewegen müssen.
Weitere Bezeichnungen für Techniken im Kalaripayattu
Kalaripayattu kennt zudem verschiedene Bezeichnungen für unterschiedliche Techniken innerhalb dieser Trainingsbereiche.
- Wandbild: Auffällige Techniken
- Thirumukham: Techniken zur Darstellung des Gesichtsausdrucks
- Ashtavadivu & Pratikara: Verteidigungstechniken
- Neduvadivu: Bodentechniken
Üben Frauen Kalaripayattu?
Ja, es gibt weltweit viele weibliche Kalaripayattu-Praktizierende. Im Jahr 2017 wurde die 73-jährige Sri Meenakshi Amma von der indischen Regierung mit dem Padma-Sri-Orden ausgezeichnet. Damit wurde Sri für ihre Verdienste um die Bewahrung des Kalaripayattu gewürdigt.
Was ist das Besondere am Kalaripayattu-Training?
Das Besondere am Training ist, dass die Schüler den Umgang mit Waffen vor den Nahkampftechniken erlernen. Sobald die Schüler wissen, wie sie sich mit einer Waffe verteidigen können, können sie lernen, sich auch ohne Waffe zu verteidigen.
Ist Kalaripayattu eine wirksame Kampfkunst?
Kalaripayattu ist eine vielschichtige Kampfkunst mit einer jahrtausendealten Geschichte. Die Tatsache, dass diese Kampfkunst den Zahn der Zeit überstanden hat und bis heute praktiziert wird, zeigt, dass es sich um einen wirksamen Kampfstil handelt.
Im Kalaripayattu lernt man alles vom Waffentraining bis zum Nahkampf. Es ist eine vielseitige Kampfkunst, deren Erlernen sich hervorragend zur Verbesserung der Selbstverteidigungsfähigkeiten eignet.